Rheine
Flammen schlagen meterhoch in den Himmel
24.05.2017

Feuer bei Gröning in Mesum

[Aktualisiert um 15 Uhr] In der Firma Gröning in Mesum ist am späten Dienstagabend ein Feuer ausgebrochen. Die Flammen über dem Ort waren schon von weitem sichtbar und schlugen zeitweise meterhoch in den Himmel. Der Schaden geht in die Millionen.

Ein verheerender Großbrand, eine dramatische Nacht in Mesum: die rund 2200 Quadratmeter große Weberei der Firma Gröning ist in Vollbrand geraten, weite Teile wurden zerstört. Mehr als 120 Einsatzkräfte kämpften seit dem späten Dienstagabend gegen die anfangs viele Meter hohen Flammen. Verletzt wurde nach ersten Angaben niemand. Auch am Mittwochmorgen war die Rheiner Straße zwischen Feuerstiege und Lindvennweg zunächst gesperrt. Am Vormittag wurde die Straße wieder freigegeben, die Ringstraße und der Hassenbrockweg bleiben weiter gesperrt.

Die Folienproduktion auf dem Betriebsgelände in der Ortsmitte von Mesum blieb dagegen unversehrt, die Produktion in diesem Bereich soll nach Unternehmensangaben so schnell wie möglich wieder anlaufen.

Video: MV web-tv
Großbrand in Mesum: Der Tag danach

Brandursache ist nach Polizeiangaben ein technischer Defekt an einer Maschine. Bei den Ermittlungen an der Brandstelle hätten sich keine Hinweise auf eine Brandstiftung ergeben, teilte die Polizei am Mittwochnachmittag mit. Der Sachschaden geht in die Millionen: Dieser bewege sich nach ersten Schätzungen im siebenstelligen Eurobereich. Die Brandstelle ist bereits von der Staatsanwaltschaft Münster freigegeben worden.

Strom und Gas sind auf dem kompletten Werkgelände abgestellt. Wann die Produktion im Extruderbereich der Kunststoffverarbeitung wieder anlaufen kann, sei noch völlig offen, sagte Geschäftsführer Matthias Becker-Gröning am Vormittag. Fest steht bisher: Die Weberei ist komplett ausgebrannt, die Maschinen komplett zerstört. Ein Mitarbeiter, der in der Nacht in der Kunststoffverarbeitung beschäftigt war, berichtete, dass die Mitarbeiter sich nach einem Sirenensignal zu einem Sammelplatz an der Gröningstraße versammelt hatten. Innerhalb weniger Minuten habe die ganze Weberei in Flammen gestanden. Sorge sei aufgekommen, als aus dem hohen Schornstein Flammen schlugen und Mitarbeiter befürchteten, dieser könnte umstürzen und auch die Kunststoffproduktion in Brand setzen.

Bereits auf dem Weg zum Feuerwehrgerätehaus war für die Mitglieder des Löschzugs Mesum klar, dass es dabei nicht bleiben würde: „Wir haben schon auf dem Anfahrtsweg gesehen, dass sich hier eine große Brandentwicklung aufgetan hatte und daraufhin haben wir dann schon Vollalarm für die Feuerwehr Rheine gegeben. Vollalarm bedeutet, dass die vier Löschzüge sowie auch die hauptamtlichen Kräfte hier an der Einsatzstelle relativ schnell vor Ort waren", sagte Johannes Plagemann, Leiter der Feuerwehr und Einsatzleiter.

Deshalb habe man nach dem Auslösen der automatischen Brandmeldeanlage um 23.25 Uhr sofort reagiert: „Aufgrund der Lage ist es erforderlich gewesen, von mehreren Seiten anzugreifen." Binnen kurzer Zeit eilten deshalb auch der Kreisbrandmeister Raphael Ralph Meier aus Lienen sowie weitere Feuerwehrkräfte aus Emsdetten, Steinfurt-Borghorst und Wettringen mit Drehleitern und Atemschutzgeräten zur Einsatzstelle.

Video: MV web-tv
Großbrand bei Gröning in Mesum

Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Werner Henrichsmann aus Wettringen machte sich vor Ort ein Bild von der Lage und die war komplex: anfangs kämpften die Einsatzkräfte nicht nur gegen die enormen Flammen, sondern auch gegen Schaulustige und sogar mit einem Pferd, dass von einer Weide nahe des Betriebsgeländes wohl vor Schreck ausgebüxt war. Plagemann: „Bei unserer Ankunft war es so, dass die Anwohner hier an der Rheiner Straße bereits aus ihren Häusern raus waren und wir haben dann bei drei oder vier Häusern die Bewohner jeweils aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und diese werden auch in der Zwischenzeit im Gerätehaus Mesum von der Feuerwehr und dem DRK Mesum betreut."

Längere Zeit löschten die Wehrleute unter Hochdruck und mit voller Manpower: „In dem Zeitraum, wo wir das größte Feuer hatten, waren zwölf C-Rohre, fünf B-Rohre und drei Wasserwerfer über die Drehleitern eingesetzt", so Plagemann weiter, der noch in der Nacht gegen 2.30 Uhr in einem ersten Statement vermelden konnte: „Wir haben das Verwaltungsgebäude der Firma Gröning halten können. Es hat also nur der Produktionsbereich der Weberei und dazugehörigen Sozialräumen gebrannt und die angrenzenden weiteren Produktionsbereiche konnten wir auch aufgrund einer vorhandenen großen Brandwand halten." Dennoch: rund 2200 Quadratmeter Hallenbereich wurden ein Raub der Flammen, der Schaden ist immens. Inzwischen gelten die betroffenen Teile des Betriebs als einsturzgefährdet, nicht aber der hohe Schornstein, wie Plagemann klarstellte: „Am Anfang sind dort einige Gase hochgestiegen und dann oben abgefackelt. Das war nur für eine kurze Zeit, wir haben das genau beobachtet. Ich denke nicht, dass es da zu Schäden gekommen ist."

Noch bis zum Mittwochabend rechnet Plagemann jetzt mit weiteren intensiven Nachlöscharbeiten an der Brandstelle. Den ganzen Tag über wolle man weiterhin ein bis zwei Löschzüge vor Ort belassen. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, konnte am Mittwochmorgen aber noch keine weiteren Angaben machen. Auch Vertreter der Bezirksregierung waren vor Ort und haben sich bei der Feuerwehr nach dem Stand der Dinge erkundigt.

Augenzeugen vergleichen das Feuer bereits mit dem verheerenden Brand vom 1. Februar 1997, als ein Millionenschaden entstanden war.

Die Wurzeln des Textil- und Kunststoffwerks Gröning reichen bis 1871 zurück. Damals gründete Wilhelm Gröning in Mesum ein Jute- und Leinenhandelsgeschäft mit Handweberei. Heute beschreibt sich das Unternehmen als Produzenten moderner Werkstoffe wie Kunststofffolien und Glasfasergeweben. Unternehmenssitz ist Rheine-Mesum.
Autor: Jens Kampferbeck
Tel: 05971/94763-00

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